„So blühe deutsche Vaterlandsliebe“

Hintergrund

Der Ausgangspunkt unserer Arbeit bestand darin, zu untersuchen, inwiefern die Vaterlandsliebe der damaligen Bevölkerung begründet wurde und auf welche emotionale Weise diese erweckt und verstärkt wurde. In den von uns ausgewählten Quellen lässt sich eine deutlich erkennbare Beeinflussung der Schüler und Schülerinnen im Hinblick auf die Vaterlandsliebe erkennen. Hierbei spielte die Schule eine wichtige Rolle, da diese die Vaterlandsliebe näherbringen und auch weiter fördern sollte. Im schulischen Kontext wurde auf der Basis der Vaterlandsliebe versucht, ein bestimmtes Feindbild der gegnerischen Länder in den Köpfen der jungen Menschen aufzubauen. Dies wollte man nutzen, um die eigene deutsche Identität mehr zu stärken. So lässt sich erkennen, dass das Thema „Vaterlandsliebe“ ein sehr wichtiger Aspekt in der Bildung des Deutschen Kaiserreiches ist. Dies greifen auch die unterschiedlichen Geschichtsbücher aus dieser Zeit auf. Die in den Quellen gefundenen Ansätze werden von der Forschung bestätigt. Die Kinder im Deutschen Kaiserreich wurden als kleine Erwachsene betrachtet. Schon von klein auf wurde das Verhalten und die Denkweise dieser jungen Generation beeinflusst, um, auf Vorstellung von Wilhelm II., diese schon frühestmöglich zu prägen und zu kriegsfähigen Soldaten auszubilden.  Er forderte dies bereits 1889 in einem Erlass. Die Vorstellung von Wilhelm II. spiegelte sich auch bis 1917 in den Lehrplänen sowie Schulbüchern wieder.

 

Literatur:

  • Pust, Hans-Christian: Höhere Mädchenbildung in der Kaiserzeit. Zur Zeit der Auguste-Viktoria-Schule Flensburg 1886-1918, Flensburg 2000.
  • Bernhardt, Markus: Das Deutsche Kaiserreich (1871-1914) zwischen Geschichtswissenschaft, Geschichtskultur und Geschichtsunterricht, In: Bernhardt, Markus (Hrsg.): Das Deutsche Kaiserreich. Geschichte- Erinnerung- Unterricht, Schwalbach/Ts. 2017.

Überlegungen zur Quellenauswahl

 

Quelle 1:

Christian Burkhart arbeitet in dem Buch „Das Haus Hohenzollern. Pflege der Vaterlandsliebe und der Liebe zum Herrscherhause durch den Geschichtsunterricht“ aus Jahr 1899 sehr deutlich mit dem Vaterlandsbegriff. In den verschiedenen Passagen wird genauer erläutert, wie man die Liebe zum Vaterland zum einen wecken kann und zum anderen diese erweckte Liebe pflegt. Der Geschichtsunterricht soll dabei helfen, dies zu erfüllen und die Schüler und Schülerinnen begeistern, sich als Deutsche oder Preußen zu fühlen. Dabei vergleicht er die Vaterlandsliebe mit einer Pflanze, die uns die Natur eingepflanzt hat. Die Pflege sei laut Burkhart deshalb sehr wichtig, da man durch die Vaterlandsliebe bereit ist, willig Opfer für das eigene Vaterland zu bringen, wenn dieses es von einem verlangt.

Quellenauszug:

„Die Natur hat uns somit die Vaterlandsliebe eingepflanzt, und darum muß sie gepflegt werden. Diese Pflege ist gerade in unserer Zeit besonders nötig, weil Deutschland, unser Vaterland, heute eine ganz andere Stellung einnimmt wie früher. […] Es muß mit allen Kräften dafür sorgen, daß der Frieden erhalten bleibt. Und hierzu sind Opfer der Unterthanen nötig, die willig und freudig gebracht werden, wenn wahre, echte Liebe zum Vaterlande im Herzen der Bevölkerung wohnt. Nur sie opfert dem Vaterlande willig, was es von uns fordern darf.“

Aus:
Burkhart, Christian: Das Haus Hohenzollern. Pflege der Vaterlandsliebe und der Liebe zum Herrscherhause durch den Geschichtsunterricht, Paderborn 1899, S. 2.
URN: urn:nbn:de:0220-gd-8025044

Link zum Original:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-8025432

 

Quelle 2:

Auch Jakob Hubert Schütz thematisiert den Aspekt „Vaterland“ in seinem Buch „Vaterland!“ aus dem Jahr 1912. Doch anders als bei Burkhart wird hier die Vaterlandsliebe durch kurze Volkslieder verdeutlicht. Passagen wie „O heilig, heilig Land, Liebe zum Vaterland, Heb‘ unsere Brust!“ kommen in den verschiedenen Liedern häufig vor. Auf diese Art soll die Vaterlandsliebe gehütet und gefördert werden.

Schütz erläutert allerdings auch,  dass nicht nur Lieder, sondern auch Kunst, die Liebe zum Vaterland entfachen können. Der Autor stellt den Anspruch an das Gemälde, dass bei der Betrachtung dessen die Soldaten aber auch die Bevölkerung mit Treue und Liebe erfüllt werden.

Quellenauszug:

„welche durch die begeisterten Lieder die Liebe zum Vaterland im Volke zu entflammen wußten. […] Dadurch werden die Soldaten gestählt gegen die Verführungen von außen und erfüllt mit Treue und Liebe zum Herrscherhause und zum Vaterland. […] Auch die Kunst stellt sich in den Dienst des Vaterlandes, indem sie ihre Jünger die Verkörperung des Vaterlandsgedankens schauen und entweder auf der Leinwand festhalten oder im Stein ausarbeiten läßt.“

Aus:
Schütz, Jakob Hubert: Vaterland!, Köln 1912, S.86.
URN: urn:nbn:de:0220-gd-4478637

Link zum Original:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-4479658

 

Quelle 3:

Ein anderer wichtiger Aspekt, der in den Schulbüchern aus der Kaiserzeit auch stets zu finden ist, ist das entworfene Feindbild Deutschlands gegenüber seinen Gegnern. Sigismund Rau geht darauf in seinem Buch „Der Weltkrieg in der Volksschule und in den Anfangsklassen höherer Schulen. Teil 1“ von 1915 genauer darauf ein. In den einzelnen Kapiteln lassen sich fiktive Lehrer-Schüler-Gespräche finden, die die Feindbilder in Bezug auf Großbritannien, Frankreich und Russland thematisieren. Man kann gut erkennen, dass die Schüler damit lernen sollen, eine bestimmte Haltung gegenüber dem jeweiligen Land einzunehmen. In den Schulbüchern wird so von nationalstaatlicher Sicht eine positive deutsche Vergangenheit aufgezeigt, wodurch man eine gemeinsame Identität schaffen wollte, die sich gegenüber den anderen Staaten als überlegen ansieht. Man verwendet den Unterricht somit dafür, den jungen Schülern beizubringen, aus welchen Gründen Frankreich der Erbfeind Deutschlands war und welche Motive es aus deutscher Sicht gab, sich mit zu einem Dreierverbund zusammenzuschließen und somit gegen Deutschland zu kämpfen.

Quellenauszug:

„Darum haben die Engländer den anderen Völkern ihren wahren Grund zum Kriege gegen Deutschland nicht gesagt, sondern haben sie furchtbar belogen und gesagt: Die Deutschen wollen euch alle unterwerfen und knechten und plagen wie der schlimme Franzosenkaiser Napoleon vor hundert Jahren.“

Aus:
Rau, Sigismund: Der Weltkrieg in der Volksschule und in den Anfangsklassen höherer Schulen (Bd.1), Göttingen 1912, S. 8.
URN: urn:nbn:de:0220-gd-5650591

Link zum Original:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-8025458

Leitfragen:

  1. Welches Feindbild zeichnen die Quellen und wie sollte Vaterlandsliebe hervorgerufen werdenHilfestellung: Vorauswahl von Seiten
    Quelle 1: S. 1-6
    Quelle 2: S. 81, 83, 86
    Quelle 3: S. 8-15
  2. Vergleichen Sie die herausgearbeiteten Ergebnisse mit dem heutigen deutschen Verständnis von Vaterlandsliebe und Feindbild. Lassen sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede feststellen? Begründe Sie diese.
  3. Welche Feindbilder findet man heute noch in der Gesellschaft? Welche Aufgaben erfüllen diese?

 

Hinterlassen Sie uns auch gerne Ihre Ansichten zu den vorliegenden Quellen.

Was meinen Sie: Vaterlandsliebe – Heute noch erlaubt?

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