Ausstellungsobjekte auf dem Sockel des New Materialism: Möglichkeiten und Grenzen in Hinblick auf das historische Lernen im Museum

Britta Hochkirchen, Universität Bielefeld

Der Vortrag stellt die Kulturtechnikforschung als einen Ansatz für das historische Lernen in Hinblick auf materielle Kultur vor. Im Museum als außerschulischem Lernort begegnen wir Exponaten als Beispiel einer historischen materiellen Kultur. Doch wie vermittelt sich durch die Präsentation die Materialität des Objekts? In welches Narrativ der Beziehung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wird das Exponat z.B. bezüglicher seiner Entstehung oder seiner Symbolik eingebunden? Häufig wird der (kuratorische) Fokus entweder auf den Künstler, auf die formale Ausgestaltung oder auf die Symbolik des Artefakts gelegt.
Die Kulturtechnikforschung schaut nicht jeweilig allein auf den Akteur, auf die Handlungsmacht von Objekten oder auf die Wirkmacht von Zeichen, sondern versucht einfache kausale und lineare Operationsketten zwischen Personen, materiellen Artefakten und Zeichen aufzubrechen und in ihrer Rekursivität zu verstehen (Schüttpelz 2006, Siegert 2017). Dieser Ansatz soll auf seine Potenziale (aber auch Grenzen) für das historische Lernen im außerschulischen Lernort Museum hin geprüft werden, insbesondere in Hinblick auf die Möglichkeit, narrative Kompetenzen jenseits einer linearen (monokausalen) Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einzuüben. Anhand konkreter Beispiele musealer Präsentationen von Objekten soll vor allem kritisch danach gefragt werden, inwiefern es gelingen kann, einen Zugriff auf die Vergangenheit zu ermöglichen, der andere als rein lineare Erzählweisen eröffnet.
Im Zentrum des Vortrags steht Peter Kelers Kinderwiege, die aktuell im neuen Bauhausmuseum in Weimar präsentiert wird. Diese Wiege wird häufig für ein Anfangs- bzw. Ursprungsnarrativ in Anspruch genommen. Im Vortrag soll mit Blick auf die zentralen Interessen der Kulturtechnikforschung ein solches Narrativ hinterfragt werden, indem nach den Konstellationen von Personen, Artefakt und Symbol gefragt wird. Innerhalb einer solchen Konstellation liegt die Handlungsmacht nicht wortwörtlich in den Händen einer Person, sondern ist als relationales Phänomen zu beschreiben. Weder die Materialität der Wiege, noch ihre Zeichenhaftigkeit sind nachfolgende ‚Ergebnisse‘ eines Produktionsprozesses, sondern sie konstituieren diesen immer schon mit. Kausalverhältnisse und lineare Narrative werden damit hinterfragbar. Doch wie lässt sich eine solche Beschreibung anhand eines materiellen Objekts im Museum erarbeiten? Spielt dann das ‚authentische‘ historische Objekt noch eine Rolle? Was erzählt die nicht-lineare Geschichte über das Bauhaus?