Zur Bedeutung von Objekten der materiellen Kulturfür das frühe historische Lernen

Heike Krösche

In der Ausgabe„Museumspädagogik heute“ von „Geschichte in Wissenschaft und Unterricht“ streicht Thorsten Heese schon im Titel seines Beitrags „Agenda Museum 2020. Brauchen Museen künftig noch Objekte? Ja, unbedingt.“ die anhaltende Bedeutung musealer Objekte für die Geschichtsvermittlung heraus.​1​ Auch für die Zukunft sieht er die Arbeit mit den „materielle[n] kulturelle[n] Hinterlassenschaften von Gesellschaften“ als wesentliche Aufgabe der Museen.2​
Aber nicht nur für das außerschulische Lernen haben Objekte eine zentrale Bedeutung, sondern auch als gegenständliche Unterrichtsmedien. Im Geschichtsunterricht finden sie jedoch weiterhin eher selten Verwendung.​3​ In diesem Zusammenhang werden die Möglichkeiten historischer Lernprozesse anhand von Sachquellen vor allem für die Primarstufe kaum diskutiert. Dabei hat Rohlfes schon in den 80er-Jahren den didaktischen Vorzug der „sinnlichen Wahrnehmbarkeit“ und der unmittelbaren Wirkung auf die „Vorstellungswelt“ betont.​4​ Das trifft insbesondere auf Grundschulkinder zu, bei denen für die Geschichtsaneignung aufgrund der entwicklungspsychologischen Voraussetzungen und der sich noch entwickelnden Lesekompetenz die optische und haptische Dimension von historischen Objekten eine besondere Rolle spielen.
Unter den acht Zieldimensionen, die Dietmar von Reeken für das historische Lernen im Sachunterricht formuliert, benennt er als erstes „den Aufbau eines positiven Verhältnisses zur Beschäftigung mit Vergangenem“.​5​ Neben der besonderen Rolle von Alltags-und Regionalgeschichte kann dieses Ziel durch das Lernen anhand und mit Sachquellen umgesetzt werden. Geschichte „zum Anfassen“ stellt also in erster Linie eine Möglichkeit dar, dass sich für Grundschulkinder „ein Fenster in die Vergangenheit öffnet“.​6​
Allerdings sollte es nicht allein bei dieser Funktion bleiben, denn die Förderung der Fähigkeit zum historischen Denken ist auch in der Primarstufe die zentrale Aufgabe historischen Lernens. Dieses basiert schließlich darauf, dass Schülerinnen und Schüler den Unterschied zwischen realer Vergangenheit und rekonstruierter Geschichte erkennen.
Vor diesem Hintergrund soll in dem vorgeschlagenen Tagungsbeitrag die Bedeutung von Objekten der materiellen Kultur für das frühe historische Lernen im Mittelpunkt stehen. Neben didaktischen Konzepten zur Begegnung mit gegenständlichen Quellen im Sachunterricht, sollen vor allem die besonderen Rahmenbedingungen und Herausforderungen in der Grundschule diskutiert werden. Dazu gehören nicht nur die individuellen Lernvoraussetzungen der noch jungen Schülerinnen und Schüler, sondern auch die institutionellen Bedingungen und die Besonderheit des Lehrplans für den Sachunterricht.Auch wenn die Primarstufe im Fokus steht, gilt als eine Voraussetzung des Beitrags, dass das frühe historische Lernen nicht auf die Grundschule begrenzt, sondern darüber hinaus auch für die ersten Jahre der Sekundarstufe I mitgedacht wird


  1. ​1​
    Heese, Thorsten: Agenda „Museum 2020“. Brauchen Museen künftig noch Objekte? Ja, unbedingt. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 68 (2017), H.1/2 S. 5-25.
  2. ​2​
    Ebd., S. 16.
  3. ​3​
    Schneider, Gerhard: Sachüberreste und gegenständliche Unterrichtsmedien. In: Mayer, Ulrich; Pandel, Hans-Jürgen; Schneider, Gerhard (Hrsg.): Handbuch Methoden im Geschichtsunterricht. 2. überarb. Aufl. Schwalbach/Ts. 2007, S. 188-207.
  4. ​4​
    Rohlfes, Joachim: Geschichte und ihre Didaktik, Göttingen 1986, S. 81.
  5. ​5
    Reeken, Dietmar von: Historisches Lernen im Sachunterricht. Eine Einführung mit Tipps für den Unterricht. Hohengehren:Schneider Verlag 2012, S. 32.
  6. 6​
    Popp, Susanne: Was wäre die Welt ohne Zucker? Die Geschichte des Zuckers als Thema historischen Lernens in der Grundschule. In: Michalik,Kerstin (Hrsg.): Geschichtsbezogenes Lernen im Sachunterricht. Braunschweig: Westermann Schulbuchverlag 2004, S. 156.